Staffel „Wie man 250K im Jahr macht“ · Folge 1

Warum 250K

Denken · 2. November 2026

Die Zahlen hier sind grob. Deutschland, 2026, eine Person mit einer GmbH und einer Holding darüber, verheiratet, privat krankenversichert, so viel KI und Automatisierung wie möglich. Ich bin kein Steuerberater. Bevor du irgendwas auf diese Zahlen baust, setz dich mit einem zusammen.

01

Zwanzigtausend im Monat

Um 2018 herum, Mitte 30, habe ich meine GmbH gegründet. Davor hatte ich ungefähr 10 Jahre für Startups gearbeitet, von 2008/2009 bis 2018. Ich hatte schon drei Kinder und eine Familie, bei null anfangen konnte ich also nicht.

Meine ersten Freelance-Jobs kamen über das Netzwerk aus den Startup-Jahren, meistens Beratung. Mein erstes volles Jahr hat ungefähr 75.000 Euro gebracht. Das war ein Privileg, und das weiß ich.

250.000 Euro im Jahr sind gut 20.800 Euro im Monat. Ich runde auf 20.000 ab, weil das die Zahl ist, bei der Leute kurz schlucken.

Das Ziel habe ich 2018 festgelegt, im Jahr meiner Gründung, in meinem ersten Business-Coaching.

250K ist das Ziel dieser ganzen Staffel. Nicht 100K, nicht eine Million. Warum genau diese Zahl, rechne ich dir hier Zeile für Zeile vor, mit der Tabelle, mit der ich selbst arbeite.

Vorher eine ehrliche Sache. 250K sind ein Ziel. Mein erstes volles Jahr hat 75K gebracht, und dein erstes Jahr als Freelancer bringt 250K sehr wahrscheinlich auch nicht. Heute, Stand November 2026, liegt mein Umsatz bei etwa 250.000 Euro. Davon sind je nach Jahr 40 bis 60 Prozent noch verkaufte Zeit.

Ich finde es sehr wichtig, ganz am Anfang zu verstehen, wo du starten kannst. Ich konnte mit einem Netzwerk und Einnahmen aus Beratung starten. Wenn du jünger bist, sind deine Kosten niedriger, und du kannst woanders anfangen. Die Beratung hat es mir möglich gemacht, meine Produkte aufzubauen. Ehrlich gesagt bin ich kein Fan von Beratung als Weg auf Dauer, weil sie mich nicht weiterbringt.

Warum also eine Zahl anpeilen, die du im ersten Jahr nicht schaffst? Weil sie dir sagt, was du bauen musst. Dafür lohnt sich zuerst ein Blick auf den anderen Weg zu 20.000 im Monat.

02

Der Weg als Angestellter

Als Angestellter kommen die meisten nie auf 20.000 Euro im Monat. Weniger als 1 von 100 Vollzeitbeschäftigten in Deutschland kommt dahin: 2024 begann das oberste Prozent bei 213.286 Euro brutto im Jahr, und 20.000 im Monat sind rund 240.000 (Destatis, April 2025).

Es gibt Jobs, die das zahlen. Gerade vor 50 heißt das meistens: lange Tage, die Strukturen eines großen Konzerns und die Politik, die dazugehört.

Das ist völlig in Ordnung. Daran ist nichts schlecht, und viele entscheiden sich bewusst dafür und fahren gut damit.

Was du auf diesem Weg abgibst, ist das letzte Wort über deine eigenen Entscheidungen. Dein Kalender, deine Projekte, das Jahr, in dem du mal kürzertreten willst: Bei allem redet jemand über dir mit. Genau darum geht es in dieser Staffel. Ich will über meine Entscheidungen selbst bestimmen, und das Geld macht das möglich.

Damit ändert sich die Frage. Sie heißt nicht mehr „Schaffe ich 20.000 im Monat?“, sondern „Was müssen 20.000 im Monat bezahlen, wenn ich selbst entscheide?“

03

Was 250K bezahlen

Erst die Seite des Business, pro Jahr. Eine Person, keine Angestellten, ein paar Freelancer, wo es nötig ist.

Business, pro JahrEuro
Umsatz250.000
Mein Gehalt, 10.000 brutto im Monat, plus Arbeitgeberzuschuss zur Krankenversicherung−125.000
Leasingauto−9.000
Laptop (100 im Monat) und Handy (100 im Monat), beides geleast, plus Versicherung−2.700
Steuerberater, Buchhaltung mit KI−4.000
Software und KI−5.000
Versicherungen, IHK, Bank, Dienstreisen−5.000
Gewinn≈ 99.000
Körperschaft- und Gewerbesteuer, etwa 30 %−30.000
Bleibt in der Firma≈ 69.000
An die Holding, 10 % vom Umsatz, jedes Jahr, für Rente und Investitionen−25.000
Freier Puffer≈ 44.000

Eine Zeile in dieser Tabelle ist mehr wert, als sie aussieht: die Steuer. Für mich war das deutsche Steuersystem zu verstehen einer der größten Hebel. Ich behaupte nicht, dass ich es ganz verstehe. Früh habe ich einen sehr teuren Workshop gemacht, um zu verstehen, wie es funktioniert, und nicht nur, wie man Steuern zahlt. Ich wollte einem Steuerberater nicht einfach sagen: „Mach meine Buchhaltung, das war's.“ In Steuerstrukturen steckt viel Architektur.

Steuern zahlen muss jeder, und das ist auch richtig so. Du kannst es aber so aufsetzen, dass das Geld sinnvoll eingesetzt wird. Klug genutzt lässt dir das deutsche System mehr zum Investieren, und investiertes Geld hilft auch der Wirtschaft. Es geht nicht darum, um jeden Preis Steuern zu vermeiden. Ich würde mein Business nie ins Ausland verlegen, und in Deutschland keine Steuern zu zahlen, war nie der Plan. Der Plan war mehr Geld zum Investieren. Zum Vergleich: Vom oberen Teil eines hohen Gehalts gehen rund 44 Prozent an Einkommensteuer und Soli.

Dann die private Seite, pro Monat.

Privat, pro MonatEuro
Netto aus 10.000 brutto (verheiratet)≈ 7.700
Miete−2.500
Essen, Freizeit, Reisen−2.500
Versicherungen inkl. Krankenversicherung, Schule, sonstige Fixkosten−2.500
Bleibt≈ 200

Reisen stecken in der zweiten Zeile: 10.000 bis 15.000 Euro im Jahr. Bei uns ist das vor allem der Sommer: sechs Wochen Italien mit dem Auto, die ganze Familie, Airbnb-Häuser, ohne Luxus, etwa 10.000 Euro.

Das ist ein gutes Alltagsleben. Eine Familie, für die gesorgt ist, Urlaub, ein Auto, eine Schule, und keiner arbeitet sich kaputt, damit das alles läuft. Luxus ist es nicht, und das muss es auch nicht sein.

Auf dem Papier ist die private Seite knapp: rund 200 Euro bleiben im Monat. Die Luft zum Atmen liegt eine Ebene höher, in der Firma: die 44.000.

04

Das schlechte Jahr

Stell dir vor, es kommt noch mal so etwas wie Corona und alles macht zu.

Bei mir war der härteste Treffer in Corona nicht eine Zahl, sondern der Fokus. Mit drei Kindern zu Hause war es furchtbar, mich auf das Business zu konzentrieren. Ein schlechtes Jahr heißt also nicht nur weniger Umsatz. Es kann auch heißen, dass deine Zeit plötzlich nicht mehr dir gehört. Für mich war es auch eine Erinnerung daran, warum Fokus eine Superkraft ist.

Ich habe dieselben Kosten gegen kleinere Jahre gerechnet. Grob überschlagen, geändert hat sich nur der Umsatz:

UmsatzNach SteuernAn die HoldingFrei
250.000≈ 69.00025.000≈ 44.000
200.000≈ 35.00025.000≈ 10.000
175.000≈ 17.000≈ 17.0000
150.000000

Schau dir die Zeile mit 200.000 an. Ein Jahr, in dem 50.000 Euro fehlen, zahlt immer noch mein Gehalt, legt immer noch die vollen 25.000 in die Holding und lässt sogar noch etwas übrig. Der freie Puffer ist um die 175.000 aufgebraucht. Bei 150.000 bekomme ich mein Gehalt, und für die Rente geht nichts mehr weg.

Das kauft der Puffer. Ein schlechtes Jahr bleibt ein schlechtes Jahr. Es wird kein Jahr, in dem ich jeden Kunden nehme, der anruft, in dem ich aufhöre, für später einzuzahlen, oder in dem ich mir einen Job suche.

Und es geht auch andersherum. In einem Jahr, in dem ich mehr Zeit habe, kann ich wählen. Ich kann wachsen. Ich kann mehr investieren. Ich kann etwas ausprobieren, Bitcoin zum Beispiel. Ich kann mir ein bisschen mehr gönnen. Ohne Kinder ist der Puffer noch größer.

Der Puffer sind also 44.000 Euro Wahlfreiheit.

05

Warum nicht 150, 200 oder 300

Jede Stufe kauft etwas anderes.

ZielWas du dafür bekommst
150KDein Gehalt. Keine Rente.
200KEine Rente, bis das erste schlechte Jahr sie auffrisst.
250KFamilie, Zukunft, ein schlechtes Jahr und eine Wahl.
300KPlatz für die erste Einstellung. Zum guten Leben brauchst du ihn nicht.

250K ist die höchste Zahl, die ich noch selbst stemmen kann. Ein paar Freelancer um mich herum, KI für Buchhaltung und Routine, keine Angestellten. Darüber ist der nächste sinnvolle Schritt meistens eine Einstellung, und mit ihr kommen Lohnabrechnung, Führung und die Verantwortung für das Einkommen eines anderen Menschen. Alles in Ordnung, nur ein anderes Business als das, das ich will.

Unter 250K greift schon das erste schlechte Jahr ans Rentengeld.

06

Was eine Stunde bringen muss

Den einen Stundensatz gibt es nicht. Du hast Projekte, und je besser du wirst, desto mehr zahlen sie.

Wenn du als Freelancer anfängst und direkt zu Kunden gehst, kannst du wahrscheinlich etwa 50 bis 60 Euro pro Stunde nehmen. Auf Upwork musst du wahrscheinlich ein bisschen verhandeln.

Da liegt es nahe, sich eine Zahl auszusuchen, so etwas wie „Ich will 80 Euro die Stunde“. Das machen 80 Euro mit deinem Jahr:

RechnungErgebnis
Vollzeit, 44 Wochen × 40 Stundenetwa 1.760 Stunden im Jahr
× 80 Euro≈ 141.000

Das ist ungefähr die Hälfte vom Ziel, und dafür arbeitest du jeden Arbeitstag den ganzen Tag.

Jetzt andersherum. Sagen wir, du willst 4 Stunden am Tag arbeiten, 5 Tage die Woche, und 20.000 im Monat verdienen.

RechnungErgebnis
4 Stunden × 5 Tage20 Stunden pro Woche
52 Wochen minus 6 Wochen Urlaub, minus 2 Wochen für Feiertage und Krankheit44 Wochen
20 Stunden × 44 Wochen880 Stunden im Jahr
250.000 ÷ 880 Stunden≈ 285 Euro pro Stunde

Dazu kommt: Nicht jede Stunde ist abrechenbar. Vertrieb und Verwaltung kosten auch Zeit. Wenn 3 deiner 4 Stunden an Kunden gehen, bleiben 660 abrechenbare Stunden, und jede muss rund 380 Euro bringen.

20.000 im Monat nur über Stunden heißt also etwa 300 Euro pro Stunde. Richtig gute Anwälte nehmen um die 300 bis 400. Unmöglich ist das nicht. Es ist aber der Punkt, an dem du irgendwann umsteigen musst: weg vom Stundenverkauf, hin zu digitalen Assets. So könnte sich die Mischung mit der Zeit verschieben. Das sind Beispielzahlen, die die Form zeigen, nicht meine eigenen.

EtappeFreelanceDigitale AssetsGesamt
Aufbau: Kundenarbeit in Vollzeit, in den ersten Jahren von 60 auf 80 pro Stunde≈ 106.000 bis 141.0000≈ 106.000 bis 141.000
Umbau: Kundenarbeit plus die ersten Assets130.00070.000200.000
Ziel: 20 Stunden pro Woche, 660 abrechenbare Stunden zu etwa 150100.000150.000250.000

In der Ziel-Etappe arbeitest du halb so viele Stunden wie beim Aufbau und verdienst ungefähr das Doppelte.

Bleiben die Jahre im Aufbau, in denen dein Satz weit weg von 300 ist. Ich sehe Freelancing in diesen Jahren als bezahltes Lernen: Jemand gibt dir Geld dafür, dass du lernst. Die 300 bis 400 pro Stunde, die dein Ziel braucht, bekommst du noch nicht, und für etwas, das du gerade erst lernst, zahlt die auch keiner. Das ist in Ordnung, denn sie bezahlen dich dafür, dass du es lernst.

Am Anfang hatte ich Projekte, die nur 150 bis 200 Euro gebracht haben, und ich habe jeweils 10 oder 20 Stunden reingesteckt. Diese Stunden hat der Kunde nicht bezahlt. Ich habe es gemacht, weil es eine schöne Herausforderung war und ich etwas lernen konnte.

Ein Kunde hatte drei Tools im Einsatz, die vorher noch nie miteinander verbunden waren, und die Daten kamen von einem Tool im nächsten nicht richtig an. Ich musste lernen, wie das funktioniert. Über solche Projekte habe ich am Anfang mein Upwork-Profil verstanden.

Wohin das geführt hat, erzähle ich in der Episode „Start-ups: die schnellste Schule“. Die kurze Version: Meine Nische war die Mischung aus Technik und Marketing, und auf Upwork hat mich das unterschieden. Tracking- und Martech-Probleme liegen zwischen Marketing und Technik, und ich konnte auf beiden Seiten stehen.

07

Wie du dahin kommst

20.000 im Monat gehen auch ohne Anstellung.

Mein Weg hat drei Etappen.

  1. Ein Freelance-Business aufbauen. Verkauf, was du kannst, an Kunden, pro Projekt oder pro Monat.
  2. Einen Teil des Geldes in digitale Assets stecken. Bei mir ist das vor allem intellixOne, eine Marketing-Software, die es seit März 2024 im Code gibt.
  3. Die Zusammensetzung kippen lassen. Vielleicht bleiben ein paar Freelance-Jobs. Der Großteil des Geldes kommt aus den Assets.

Aus dem Puffer in Kapitel 4 bekommt Etappe 2 ihr Geld. Deshalb hilft dir die Tabelle auch in einem Jahr, in dem du weit weg von 250K bist: Sie zeigt dir, wie groß der Puffer sein muss, bevor du neben der Kundenarbeit irgendetwas aufbauen kannst.

Wo ich selbst stehe, Stand November 2026: 40 bis 60 Prozent meines Umsatzes sind noch verkaufte Zeit, je nach Jahr. Einen belegten Rückfluss aus intellixOne an meine Zeit gibt es noch nicht. Ich bin also mitten in Etappe 2.

08

Diese Woche

Nimm die private Tabelle aus Kapitel 3 und trag deine eigenen Zahlen ein: Miete, Essen und Freizeit und Reisen, Versicherungen und Schule und Fixkosten. Zähl sie zusammen und nimm sie mal zwölf.

Das ist der Boden, den dein Business im Jahr tragen muss, bevor ein einziger Euro in deine Zukunft geht. Schreib ihn neben meine 7.500.

09

Die offene Frage

Ich weiß noch nicht, wie viele Jahre es von Etappe 1 bis Etappe 3 dauert.

Weiter in dieser Staffel: „Start-ups: die schnellste Schule“. Wie die Mischung aus Marketing und Technik zu der Nische wurde, auf der mein Business steht.

10

Changelog

2026-11-02, abends
Kapitel „Das schlechte Jahr“: was Corona bei mir getroffen hat, den Fokus.

2026-11-02, später
Offene Lücken geschlossen: Umsatz heute und Anteil verkaufter Zeit, die Sommerreise, das Beispiel für ein digitales Asset und wo ich selbst stehe. Verweise auf Episoden, die es noch nicht gibt, entfernt.

2026-11-02
neu geschrieben mit der ganzen Rechnung: Business- und Privattabelle, das schlechte Jahr, der Stundensatz, der Start 2018 und der Steuerhebel. Die Fassung vom 1. November ist ersetzt.

Nächste Folge: 02 Zeit kaufen

Staffel „Wie man 250K im Jahr macht“