
Staffel „Wie man 250K im Jahr macht“ · Folge 5
Warum ich kein Start-up gründe
Warum in Start-ups lernen, aber nie eins mit fremdem Geld bauen? · 3. November 2026
Start-ups sind die schnellste Schule, die ich kenne, aber die Tür, durch die ich 2009 gegangen bin, gibt es so nicht mehr. Wenn du heute 22 bist, findest du diese Tür nicht, und deshalb lohnt es sich zu wissen, was sie war und was an ihre Stelle getreten ist.
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Die Tür von 2009
Damals gab es eine Lücke, und Geld war der Treibstoff. Start-ups hatten viel davon, und wenn du bereit warst, sehr viel Zeit zu investieren, konntest du dir die Verantwortung einfach nehmen, um Dinge auszuprobieren. Die Gründer waren genauso unerfahren wie alle anderen, die Investoren auch. Nicht jeder hatte Jeff Bezos als Geldgeber. Die meisten waren Leute mit Geld, die glaubten zu wissen, wie es geht.
Nach der goldenen Regel scheitern neun von zehn Start-ups, und das heißt auch: Niemand wusste genau, warum das eine funktionierte und das andere nicht, und während alle über Kultur und Menschen redeten, haben alle einfach getestet und gespielt.
Meine Lücke war die Kombination aus Technik und Marketing. Ich habe seit meinem zwölften Lebensjahr programmiert, nur im Digitalen gelebt und Abitur an einer Schule mit Schwerpunkt Technik und Elektrotechnik gemacht. Weil ich während Schule und Studium nebenbei Geld verdient habe, habe ich gelernt, was Marketing tatsächlich heißt, und das zu einer Zeit, in der „digitales Marketing“ nicht einmal ein Begriff war. Die Start-ups wussten nur eins: Sie brauchen jemanden, der beides versteht.
Für SEO oder Google Ads gab es in Europa niemanden mit Jahren Erfahrung, also konntest du alles machen, wenn du lernen wolltest. Das war der Boost. Nach einem Jahr habe ich ganze Teams geführt, das erste 2009 bei 9flats, mit mehr als zehn Leuten.
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Was davon heute übrig ist
Heute ist es anders. Die meisten Start-ups, die ich sehe, kommen mir vor wie Kopien von Kopien, und als Angestellter arbeitest du dort in Strukturen und Prozessen, die denen großer Firmen sehr ähnlich sind.
Geblieben ist das Tempo. Persönliche Fähigkeiten entwickelst du in einem Start-up schneller und leichter als in einem Konzern. Ich war auch im Konzern, und dort weißt du, dass du in die falsche Richtung fährst, und fährst trotzdem weiter, bis jemand mit mehr Macht es auch versteht. Im Start-up ist es umgekehrt: Wer merkt, dass die Richtung falsch ist, hat alle auf seiner Seite, weil alle so schnell wie möglich in die richtige wollen.
Was ich dabei gelernt habe: Der gesunde Weg ist es nicht immer, weder für die Gründer noch am Ende für das Business, vor allem nicht, wenn jemand anderes das Geld gibt.
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Was ich einem 22-Jährigen sagen würde
Benutze das Start-up so, wie das Start-up dich benutzt. Es ist ein Vehikel, in dem du Fähigkeiten schneller lernst und die Businesswelt schneller verstehst als irgendwo sonst, mit dem Geld, das das Start-up dafür verbrennt. Heute wirst du dort sogar gut bezahlt, das war 2009 anders, also nimm das Gehalt.
Anteile würde ich nicht wollen, so ehrlich muss ich sein. Es ist kein Film, und du weißt nie, ob und wann verkauft wird. Mit virtuellen Anteilen, ohne Börsengang und ohne Verkauf, weil das Business einfach Geld verdient, hängst du für immer in einem Business fest, und das ist wieder das Spiel ohne Ende.
Beim Exit von ZenMate gingen meine Anteile auf null. Ich habe auch gesehen, wie viele Wege es gibt, am Ende nicht zu zahlen, was am Anfang versprochen war. Aus Bosheit passiert das nicht, sie müssen überleben, aber plane nicht mit dem Versprechen.
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Eigentum statt Größe
Ein Start-up ist kein Asset, das du allein aufbaust. Es braucht einen riesigen Teil deiner Zeit, und in deinen Entscheidungen bist du nicht frei. Nicht jeder Gründer ist gleich, aber das Muster habe ich oft gesehen, nämlich Gründer, die tun müssen, was jemand anderes entschieden hat. Wer viel fremdes Geld genommen hat, für den ist dieses Geld wichtiger als alles andere, und am Ende überstimmt es, was er will. Deshalb hast du so viel mit Investoren zu tun und so viel Politik, zumindest habe ich es so erlebt. Mit fremdem Geld baust du etwas nur auf, weil du den Exit willst, so oder so.
Ich brauche das Geld aber nur für eines, nämlich frei zu entscheiden, und ein Weg, der mir genau das nimmt, kann nicht der Weg dorthin sein. Ein Millionen-Business, das fremdes Geld finanziert, besitzt meine Zeit genauso wie ein Milliarden-Business. Die Variable ist nicht, wie groß es ist, sondern wem es gehört.
Lange wollte ich trotzdem das große. Irgendwann konnte ich mir nicht mehr vorstellen, was mir ein Business, das eine Milliarde wert ist, mehr gibt als eins, das eine Million wert ist. Also habe ich aufgehört, es zu wollen.
Ich habe gelernt, dass ein Start-up nicht der Weg ist, auf dem ich meine 250K erreichen will, gerade mit Familie. Wer zu einem Investor geht und sagt „Ich will ein Business mit 250.000 € bauen“, bekommt nichts, weil es zu klein ist, um sich für ihn zu lohnen. Deshalb passt das Start-up nicht zu mir, auch wenn ich die Erfahrung dafür habe.
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Diese Woche
Wenn du Anteile oder virtuelle Anteile hast, schau in deinem Vertrag nach, was sie bei einem Verkauf bringen und wann. Wenn du keine hast, frag dich, ob du deinen jetzigen Job allein für das Gehalt und das Lernen machen würdest. Ich frage wegen meiner Anteile bei ZenMate.
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Die offene Frage
Ich liebe diese Welt immer noch, so wie ich Sport liebe, wenn ich ihn im Fernsehen sehe, und ich habe entschieden: Es ist nicht das Spiel, das ich spielen will. Ein Business mit 250K ist zu klein für einen Investor, also steckt kein fremdes Geld darin, und ich entscheide frei. Bleibt das so, wenn ich mehr will? Mit dieser Frage gehst du auf die Entscheidung zu, auf die diese Staffel hinläuft: mehr machen, oder bleiben und sich auf etwas anderes konzentrieren.
Weiter in dieser Staffel: „Mein Start als Freelancer“. Von wo ich starten konnte, was mein erstes volles Jahr gebracht hat und welche vier Ziele vor diesem kamen.