
Staffel „Wie man 250K im Jahr macht“ · Folge 2
Freelancer oder Angestellter
Was ist meine Stunde wert, und wer entscheidet, wofür ich sie gebe? · 3. November 2026
Wie viel Geld müsste dir jemand bieten, damit du sagst: Ich nehme es und lebe nur noch ein Jahr? Ich habe mir diese Frage gestellt und keine Zahl gefunden, und darin steckt das ganze Problem mit verkauften Stunden. Deshalb fängt diese Folge hier an.
01
Ein Jahr für wie viel Geld?
Zeit lässt sich nicht kaufen. Ehrlich gerechnet müsste meine Stunde mindestens ein paar tausend Euro kosten. Das tut sie nicht, und das tut keine, meine nicht und auch nicht die Stunde der Putzkraft, die sich um unsere Wohnung kümmert.
Schau dir deinen eigenen Tag an. Sagen wir, du steckst 10 oder 11 Stunden am Tag in die Arbeit, und da ist alles drin, die Fahrt ins Büro genauso wie die paar Schritte an den Schreibtisch im Homeoffice. Damit gibst du jeder dieser Stunden ein Preisschild. Das ist schwer zu sehen, solange du mittendrin bist.
Die Frage war also nie, was eine Stunde kostet. Sie lautet, wie viele davon du verkaufst. Meine Stunde kann ich nicht so teuer machen, wie sie mir wert ist, also kann ich nur weniger davon verkaufen, und deshalb zählt der Anteil und nicht der Preis.
02
Müssen ist nicht das Problem
Über meine Stunden selbst entscheiden zu wollen, hat mit Faulheit nichts zu tun. Viele hören „Ich will nur noch machen, was ich will“ und sehen jemanden vor sich, der rumhängt und Blödsinn macht. So meine ich das nicht.
Den Unterschied habe ich beim Hyrox gelernt. Sagen wir, ich will unter 1 Stunde 20 bleiben. Dann muss ich trainieren, auch an Tagen, an denen ich keine Lust habe, und das ist völlig in Ordnung, weil das Ziel meins ist und die Entscheidung auch.
Was ich nicht will, ist ein anderes Müssen, bei dem mir jemand sagt, ich muss etwas tun, damit er seine Ziele erreicht. Ob das ein sehr großer Konzern ist oder ein Start-up, spielt dabei eigentlich keine Rolle.
Denk an das letzte „Du musst“, das du bei der Arbeit gehört hast. Wessen Ziel stand dahinter?
03
Was du als Angestellter tun kannst
Irgendwann habe ich verstanden, was dieses Müssen von oben heißt. Wenn sie mir sagen, was sie erreicht haben wollen, und mir dann sagen, ich muss es tun, soll ich es für ihre Ziele tun. Das ist völlig in Ordnung. So funktioniert Anstellung, und so leben die meisten Menschen auf der Welt.
Als Angestellter kannst du mit deinen Stunden eigentlich nur eins machen: immer weniger arbeiten und trotzdem mehr verdienen. Am Ende heißt das, du verkaufst deine Zeit besser als die anderen, und das ist völlig in Ordnung. Du verkaufst trotzdem Zeit.
Ich habe entschieden, es so nicht zu machen. Freelancing war für mich der logische Schritt aus der Anstellung und ein Schritt dahin, ganz unabhängig zu sein, und dazu gehört auch, leben zu können, wo ich will. Das Ziel dahinter ist, irgendwann etwas auf den Markt zu bringen, das Wert hat und nicht an meiner Zeit hängt.
Mit Freelancing allein bist du da noch nicht. Auch ein Freelancer verkauft Stunden, die Rechnung in Folge 1 zeigt es, also ist es ein Schritt und nicht das Ende.
04
Die Folgen gehören dazu
Umdrehen lässt sich das für mich nur, wenn du ganz über deine Zeit entscheidest und die Folgen deiner Entscheidungen annimmst. Die zweite Hälfte wiegt so viel wie die erste.
Nimm die Familie. Wenn mein Sohn krank ist und ich ihn von der Schule abholen muss, habe ich das nicht an dem Morgen so entschieden. Es ist die Folge einer Entscheidung, die ich vorher getroffen habe, und deshalb bleibt es meine.
Wenn du also aufschreibst, was du „musst“, halte die beiden Arten auseinander: das Müssen aus deinen eigenen früheren Entscheidungen und das Müssen aus den Zielen von jemand anderem.
05
Diese Woche
Nimm einen normalen Arbeitstag in dieser Woche und schreib jede Stunde davon auf, die Fahrt eingeschlossen. Neben jede Stunde schreibst du, wessen Ziel sie gedient hat, deinem oder dem von jemand anderem, und am Abend zählst du beide Spalten. Am Anfang ist die zweite Spalte irgendwie nötig. Mein Anspruch war und ist trotzdem, dass jede Stunde, die ich gebe, meine eigene Entscheidung ist.
06
Die offene Frage
Wenn ich den Preis meiner Stunde nicht festlegen kann, sondern nur, wie viele ich verkaufe, dann heißt mehr Umsatz aus Stunden mehr verkaufte Stunden und nicht mehr Freiheit. Was würde mir „mehr“ dann überhaupt kaufen? Das gehört zur Entscheidung dieser Staffel, und du begegnest der Frage in den nächsten Folgen wieder.
Weiter in dieser Staffel: „Die eigene Nische finden“. Was ich in meinem ersten Jahr als Freelancer eigentlich verkauft habe, und warum das ich war.