Eigene Anwendungen mit KI bauen
Was übrig bleibt, wenn die KI den Code schreibt, und was das an Marketing-Arbeit verkaufbar macht: eine kleine Anwendung auf den Daten deiner Kunden.
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Der Moment
Der Bau begann mit einem einzigen Satz auf einem leeren Blatt: was ein Kunde bekommt und wofür er bezahlt. Erst als dieser Satz stand, durfte die KI die erste Zeile Code schreiben. Ich habe den Bau einer Anwendung für Kunden so Schritt für Schritt aufgeschrieben, als Bauprotokoll und nicht als Manifest, damit jemand mit einer klaren Idee denselben Weg gehen kann.
Ja, eine KI hat den Großteil des Codes geschrieben. Das ist inzwischen die normale Art zu bauen, und ich halte mich nicht weiter damit auf. Für dich zählt etwas anderes. Bis vor kurzem war eine eigene Anwendung für jemanden im Marketing ein Projekt mit Agentur, Pflichtenheft und einem Budget, das du nicht hast. Heute ist die Frage nicht mehr, ob du programmieren kannst. Die Frage ist, ob du klar sagen kannst, was gebaut werden soll, und ob du erkennst, wenn etwas falsch gebaut wurde.
Und das bringt uns zu deinem Angebot. Die naheliegende Anwendung für jemanden mit deinem Hintergrund ist keine App für Endkunden, sondern ein kleines Werkzeug auf den Marketingdaten eines Unternehmens: ein Bericht, den der Kunde selbst öffnet, ein Formular, das Anfragen sauber erfasst, eine Ansicht, die zeigt, welche Kampagne welche Anfrage gebracht hat.
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Was schiefging
Was schiefgeht, geht leise schief. Die KI baut dir gern eine Kathedrale. Du willst einen Kiosk, der Münzen nimmt. Wer ohne klaren Satz anfängt, bekommt in kurzer Zeit sehr viel Software, die niemand braucht. Das fühlt sich produktiv an, weil ständig etwas Neues entsteht. In Wirklichkeit ist es die teuerste Form des Aufschiebens.
Der zweite leise Fehler ist, ein ganzes System auf einmal zu bestellen. Dann bekommst du ein ganzes System, das du nicht verstehst, und beim ersten Fehler weißt du nicht, wo du suchen sollst. Und einer der Teile wird falsch sein.
Der dritte betrifft Sicherheit. Bei meinem eigenen Bau habe ich vor allem darauf geachtet, dass kein Schlüssel irgendwo liegen bleibt, wo er nicht hingehört: ein Passwort im Code, ein Zugang, der mehr darf als nötig, eine Prüfung, die nur im Browser stattfindet und nicht auf dem Server. Wer schnell baut, lässt solche Schlüssel liegen, wenn er nicht bewusst darauf achtet.
Die KI baut dir gern eine Kathedrale. Du willst einen Kiosk, der Münzen nimmt.
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Was ich ausprobiert habe
So habe ich gebaut, der Reihe nach. Zuerst der eine Satz, dann das Zerlegen in die kleinsten Teile, die sich einzeln bauen und prüfen lassen: das Konto, die Kernaktion, die Zahlung, die Bestätigung. Für jedes Teil habe ich die KI gefragt, welches Risiko darin steckt, und sie begründen lassen, warum etwas nach außen sichtbar sein muss. War die Begründung dünn, blieb es intern.
Die erste Funktion war das Konto, mit einer Anmeldung ohne Passwort: E-Mail eingeben, Link bekommen, klicken. Die Links gehen über Mailjet raus, damit sie zuverlässig ankommen. Gehostet ist das Ganze auf Google Cloud, als Container auf Cloud Run, der schläft, wenn niemand ihn braucht, und in dieser Zeit fast nichts kostet. Was das im Monat ausmacht, trage ich nach. Daneben steht eine Testkopie, die der echten Umgebung gleicht. Die Oberfläche kam zuletzt und wurde in Figma entworfen, bevor eine Zeile davon gebaut wurde. Den ganzen Weg findest du auf der Experimentseite.
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Was ich jetzt weiß
Was ich jetzt weiß: Der Code ist billig geworden, die Entscheidungen nicht. Was zuerst? Was gar nicht? Wer darf was? Was passiert, wenn etwas ausfällt? An diesen Fragen gelingt oder scheitert eine Anwendung. Die KI beantwortet sie gern, aber für einen Durchschnittsfall, und das Geschäft deines Kunden ist keiner.
Die Reihenfolge ist wichtiger als die Technik. Erst der Satz, dann die Teile, dann die Sicherheit, dann der Betrieb, und ganz am Ende das Aussehen. Viele Marketer machen beim ersten eigenen Produkt genau das Gegenteil: Sie fangen mit der Landingpage an, weil sie die können, und nicht mit dem Satz, weil der wehtut.
Bei der Sicherheit brauchst du keine eigene Abteilung, nur vier Gewohnheiten. Speichere keine Passwörter, wenn du es vermeiden kannst. Halte Geheimnisse aus dem Code heraus und im Geheimnisspeicher der Plattform. Prüfe jede echte Aktion auf dem Server. Gib jedem Teil nur den Zugriff, den es braucht.
Für deinen Ausstieg heißt das: Eine kleine Anwendung, die genau ein Problem auf den Marketingdaten einer bestimmten Gruppe löst, ist heute erreichbar. Sie muss nur besser sein als die Tabelle oder das Formular, das diese Gruppe heute benutzt. Du kennst aus deinem Job wahrscheinlich ein paar solcher Tabellen. Verkaufen wirst du sie aber nicht als App, sondern als Teil eines Dienstes: Der Kunde bezahlt dafür, dass seine Zahlen jeden Monat stimmen und sichtbar sind, und die Anwendung ist das Fenster, durch das er sie sieht.
Und weil alles so schnell geht, ist die Versuchung groß, zu viel zu bauen.
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Offene Frage
Offen ist die Pflege. Eine Anwendung zu bauen ist eine Sache, sie über Jahre am Laufen zu halten, während sich Bibliotheken, Plattformen und Modelle ändern, eine andere. Wie viel Aufwand das mit KI langfristig wirklich ist, weiß ich noch nicht. Ich trage hier nach, was ich sehe.
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Changelog
Erste Fassung. Nichts hier wird still umgeschrieben: Jede spätere Änderung steht als eigener Eintrag in diesem Changelog.