Denken.
Was ich für die nahe Zukunft erwarte.
Der Flügel der Zukunft: fünf datierte Thesen, in einem langen Text. Wenn eine davon falsch war, bleibt sie trotzdem hängen, mit einer Notiz daneben.
- 29.10. KI ersetzt Kompetenz selbst Bisher hat KI Aufgaben ersetzt: einen Text übersetzen, eine Tabelle sortieren, ein Bild freistellen.
- 29.10. Verkauft wird abgenommene Zeit Wenn das Wissen frei verfügbar ist, zahlt niemand mehr für eine Anleitung.
- 29.10. Geschäfte nah am Menschen gewinnen Ärzte, Physiotherapie, Handwerk, Fitnessstudios: Was vor Ort am Menschen passiert, lässt sich nicht in ein Chatfenster verschieben.
- 29.10. Nur dringende, bewusste Probleme verkaufen sich Wenn der Laptop kaputt ist oder die Tür zu, kauft man sofort, ohne lange zu vergleichen.
- 29.10. Stunden-Agenturen verlieren gegen Pauschal-Systeme Eine Agentur, die Stunden verkauft, verdient daran, dass Arbeit lange dauert.
01
Der Moment
29. Oktober 2026: An diesem Tag habe ich die fünf Thesen unten mit Datum aufgeschrieben. Wer in Schleifen denkt, braucht etwas, das er beim nächsten Durchlauf überprüfen kann, und eine Vorhersage ohne Datum kann man nicht überprüfen.
Diese Thesen sind meine Sicht, Stand Oktober 2026, auf die nächsten Jahre im Marketing und in der Arbeit von Menschen wie dir: angestellt oder freiberuflich, mit einem Gefühl, dass sich gerade etwas grundlegend verschiebt, und ohne klares Bild, was man danach verkaufen soll.
02
Was schiefging
Was bei meinen eigenen Vorhersagen schiefgehen könnte, ist klar: Ohne Datum könnte ich sie still umschreiben, wenn sie nicht eintreten, und hätte am Ende immer recht gehabt. Deshalb gilt hier eine Regel: Eine These, die falsch war, bleibt hängen, mit einer Notiz daneben und einem Eintrag im Changelog. Eine Vorhersage, die man still löscht, war keine.
Jede These hier hat Folgen für das, was ich gerade tue. Wenn ich falsch liege, liege ich mit meinem eigenen Geschäft falsch. Mein Lernzentrum ist an der vierten These gescheitert, bevor ich sie aufgeschrieben hatte.
03
Was ich jetzt weiß
Fünf Thesen, Stand Oktober 2026. Sie hängen zusammen, aber jede steht für sich.
Stand Oktober 2026
KI ersetzt Kompetenz selbst
Bisher hat KI Aufgaben ersetzt: einen Text übersetzen, eine Tabelle sortieren, ein Bild freistellen. Jetzt ersetzt sie das Wissen, wie man die Aufgaben macht. Das ist ein anderer Schritt. Wer bisher dafür bezahlt wurde, etwas zu wissen, verliert genau diesen Vorsprung, und zwar nicht irgendwann, sondern Kunde für Kunde.
Das betrifft Berater, Agenturen und Freelancer zuerst, weil ihr Angebot zu einem großen Teil aus Wissen besteht. Für dich heißt das: Wenn dein Plan für die Selbstständigkeit darin besteht, das zu verkaufen, was du über Marketing weißt, dann verkaufst du etwas, das gerade billiger wird. Ich zähle mich selbst dazu, und das ist der Grund, warum diese These zuerst steht.
Stand Oktober 2026
Verkauft wird abgenommene Zeit
Wenn das Wissen frei verfügbar ist, zahlt niemand mehr für eine Anleitung. Bezahlt wird, wer dem Kunden die Arbeit komplett abnimmt. Die Frage an jedes Angebot lautet dann nicht mehr: Was weißt du? Sondern: Was muss ich nicht mehr selbst machen?
Ich erwarte, dass sich viele Angebote in den nächsten Jahren genau entlang dieser Frage umbauen. Workshops werden zu Diensten, Beratungen zu Systemen, Stundenpakete zu Pauschalen. Für dich ist das die gute Hälfte der ersten These: Was du weißt, wird billiger, aber was du für andere erledigen kannst, nicht.
Stand Oktober 2026
Geschäfte nah am Menschen gewinnen
Ärzte, Physiotherapie, Handwerk, Fitnessstudios: Was vor Ort am Menschen passiert, lässt sich nicht in ein Chatfenster verschieben. Diese Betriebe gewinnen, weil KI ihnen Verwaltung und Marketing abnimmt, ihr Kern aber nicht ersetzbar ist. Sie bekommen die Effizienz ohne die Bedrohung.
Ich erwarte deshalb, dass gerade diese Unternehmen zu den besten Kunden für alles werden, was Arbeit abnimmt. Sie haben ein echtes Geschäft, wenig Zeit und keinen Grund, selbst Experten für Daten oder Werbung zu werden. Wenn du eine Nische suchst, schau hier zuerst.
Stand Oktober 2026
Nur dringende, bewusste Probleme verkaufen sich
Wenn der Laptop kaputt ist oder die Tür zu, kauft man sofort, ohne lange zu vergleichen. Niemand kauft dagegen eine Lösung für ein Problem, das er noch nicht spürt, egal wie gut sie ist. Das war schon immer so, aber in einer Zeit, in der jeder mit Angeboten überflutet wird, wird es noch deutlicher.
Ich erwarte, dass Angebote, die erst ein Problem erklären müssen, bevor sie es lösen, es noch schwerer haben werden. Wer Angebote baut, sollte bei Problemen anfangen, die der Kunde heute schon kennt und lösen will. Mein eigenes Lernzentrum ist an genau dieser Stelle gescheitert, mit 0 Buchungen.
Stand Oktober 2026
Stunden-Agenturen verlieren gegen Pauschal-Systeme
Eine Agentur, die Stunden verkauft, verdient daran, dass Arbeit lange dauert. Mit KI dauert sie kürzer. Entweder die Agentur rechnet weiter Stunden ab, die sie nicht mehr braucht, oder sie verdient weniger. Beides ist auf Dauer kein gutes Geschäft.
Gewinnen werden Systeme mit fester Pauschale, bei denen der Kunde ein Ergebnis kauft und die Effizienz beim Anbieter bleibt. Wenn du heute in einer Agentur arbeitest, die nach Stunden abrechnet, siehst du diese Spannung wahrscheinlich schon. Sie ist dein Hinweis darauf, wie dein eigenes Angebot nicht aussehen sollte.
04
Offene Frage
Offen ist für mich, wie schnell das alles geht. Ich bin mir bei der Richtung ziemlich sicher und beim Tempo überhaupt nicht. Wenn die Thesen stimmen, aber zehn Jahre statt zwei brauchen, ändert das viel daran, wann du handeln solltest.
05
Changelog
Erste Fassung. Nichts hier wird still umgeschrieben: Jede spätere Änderung steht als eigener Eintrag in diesem Changelog.